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Höchst: Es braucht grundlegende Veränderungen in der Psychiatrie

Die Berichte über massive Missstände in der geschlossenen Psychiatrie im Frankfurter Klinikum Höchst reißen nicht ab. Nicht zuletzt die teils über mehr als zehn Jahre zurückliegende Erlebnisberichte, die die hessenschau gestern Abend publizierte, zeigen auf, dass es sich bei den Bildern des Wallraff-Berichts um keine Ausnahmesituation gehandelt hat. Christiane Böhm, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag, erklärt:

„Wenn über Jahre solche Missstände in einer Klinikumsabteilung herrschen, dann hat die Fachaufsicht offensichtlich versagt. Insbesondere der CDU-Staatsminister a.D. Stefan Grüttner muss sich fragen lassen, wie so etwas unter seiner Verantwortung möglich gewesen ist. Sofern nicht in nächster Zeit Lösungen durch das Klinikum Frankfurt-Höchst präsentiert werden, muss zudem überlegt werden, ob ein Weiterbetrieb unter solchen Bedingungen den Patientinnen und Patienten, aber auch dem überlasteten Personal weiter zugemutet werden kann.“

Böhm verweist darauf, dass das Höchster Beispiel dabei nur die Spitze des Eisbergs darstelle und sich Betroffeneninitiativen schon sehr lange gegen die Methoden in geschlossenen Psychiatrien in Deutschland wenden.

„Die Vorgänge im Klinikum Frankfurt-Höchst müssen von uns zum Anlass genommen werden, um generell über das psychiatrische System in Deutschland zu reden. Dabei geht es um Praktiken wie die Fixierung, Medikation als wesentliches Mittel der Therapie und natürlich Personal- und Betreuungsschlüssel. Schauen wir in andere europäische Länder, dann sehen wir, dass die geschlossene Psychiatrie als Standardeinrichtung - zum Glück - ein Auslaufmodell ist. Es wird Zeit, dass sich dieser grundsätzlichen Debatte auch in Deutschland gestellt wird.“